Jill Stuhl

Alfredo Häberli hat zu den Neuheiten auf der Mailänder Möbelmesse mit dem Jill Stuhl einen Beitrag geleistet, der zu Diskussionen anregt. Die Nähe seines Entwurfs zu den Eames Chairs ist nicht zu übersehen, vom Designer aber gewollt. Als großer Bewunderer der Entwicklung von Stühlen aus Schichtholz modernisiert er Bewährtes und drückt ihm seinen Stempel auf. Häberli arbeitet zum ersten Mal mit Vitra zusammen und setzt modernste Technik zur Schichtholzverformung ein, um das zu erreichen, was Charles Eames nicht gelungen ist, eine einteilige Sitzschale aus Holz zu fertigen. In einem patentierten Verfahren werden nun Furniere wie ein Band gezogen, bis sie in der Sitzfläche aneinander stoßen. Die Furnierdecke nimmt nach oben hin ab und es entsteht eine Öffnung im Übergang von Sitz und Rücken, die der  Schale Flexibilität gibt und für einen hohen Sitzkomfort sorgt.

Historische Spuren zeigen sich auch bei der Gestaltung der Untergestelle. Häberli nähert sich seinen Vorbildern an, schafft aber den Sprung in die heutige Zeit, indem er mehrere Materialien und Farbvarianten zu Verfügung stellt.  Holz, Aluminium, Draht oder Stahlrohr können eine Verbindung mit optionalen Stoffbezügen eingehen, die die vorhandene Farbe ergänzen oder einen optischen Kontrast bilden. Der Kunde wird bei seiner Kaufentscheidung kreativ indem er seine Vorstellung von Farbe und Untergestell verwirklicht. Jill erscheint einmal auffallend bunt, dann wieder elegant dezent. Er ist vielfältig einsetzbar, wirkt modern und gleichzeitig klassisch.

Als Hüter des Schatzes von Charles Eames hat Vitra dazu beigetragen, dass Schichtholzverformung weiter entwickelt wird und damit im Interesse des großen Designers gehandelt. Im Zeitalter des Kunststoffs findet eine Rückbesinnung auf natürliche Materialien und deren Gestaltungsmöglichkeiten statt, die vielen Menschen schon gar nicht mehr bewusst ist. Bei Stuhlentwürfen stellt sich immer die Frage, ob noch etwas Neues kommt.  Die Veränderung und Weiterentwicklung des Bestehenden gelingt manchmal außerordentlich gut. Der Jill Stuhl zeigt es.







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