Favela Stuhl

(Quelle: www.archiexpo.de)

Das Armenviertel Favela, auf einem Hügel in Rio de Janeiro gelegen, inspirierte die Brüder Campana ihr Sitzmöbel Favela Stuhl zu nennen. Die Kreativität der armen  Bevölkerung und deren Strategie,  Müll umzufunktionieren, imponierte ihnen. Wie die primitiven Wohnhütten, so ist auch der Designerstuhl der Campanas aus Holzresten zusammengebaut. Die enge Verbundenheit zur Natur und das Basteln mit Holz in der Kindheit beeinflusst die Arbeit der Designer.

1983 gründeten Humberto (ehem. Jusrist) und Fernando (Architekt) das Estúdio Campana für Wohnaccessoires und Möbel. Einfache Materialien sowie industrielle Abfallprodukte dienen als Werkstoffe für ihre Kreationen, wobei Schläuche, Pappkartons, Glassplitter und Holzreste zum Einsatz kommen.

Seit 2003 wird der  Favela Stuhl aus vielen kleinen Holzstäbchen angefertigt. Mit seinen Armlehnen wird er zum massiven Möbelstück, dessen Bau keine Systematik erkennen lassen darf, damit jeder Stuhl ein Unikat wird. Verständlicherweise wird die  industrielle Produktion von den Brüdern  Campana abgelehnt. Sie lassen ihr „Kreatives Chaos“ in einer deutschen Siedlung an der Grenze zu Argentinien von der Firma EDRA bauen, obwohl der Stammsitz der Firma in Italien ist. So wird die Originalität bewahrt, die natürlich ihren Preis hat. Das einzelne Kunstwerk kostet ca. 3.000 Euro.

Seit Jahren sind die Werke des Estudios Campana international gefragt und in den  wichtigsten Museen der Welt vertreten. Ein bunter Materialmix aus Recyclingmaterial ist der Grundstoff ihrer Designobjekte. Der Favela Stuhl wird nach wie vor aus Abfallholz hergestellt und wirkt durch die Handschrift der Brüder Campana unvorstellbar edel.

Spun Kreiselsessel

Aus dem Spielplatzalter heraus? Keine Dauerkirmes in Sicht? Wer nicht auf sein geliebtes Karussel verzichten möchte liegt mit dem Spun Kreisel genau richtig.

Nach dem Prinzip eines Kreisels hat der englische Designer und Künstler Thomas Heatherwick ein Sitzmöbel entworfen, das zum Entspannen und Rotieren einlädt.

Nach einem Studium Dreidimensionalen Designs entwickelt das Multitalent Heatherwick in seinem eigenen Studio in London überraschende Kreationen zum Wohnen und Leben. Seine Arbeiten erregen öffentliches Aufsehen, zuletzt mit dem englischen Pavillion auf der EXPO in China. Zu seinen Kunden gehören Schulen, Krankenhäuser, die britische Regierung, Museen Privatleute und viele mehr.

Auf der Möbelmesse in Mailand wurde 2010 das neueste Werk von Heatherwick vorgestellt, der Spun Kreisel, eine Sitzskulptur mit einer tiefen Schale, die Sitzfläche, Rücken- und Armlehne in sich vereint. Wer sich hineingleiten lässt, kippt zuerst etwas seitwärts auf den gepolsterten Ring; so wird ein Umstürzen verhindert. Und jetzt geht es los: erst ein bischen schaukeln bis der Kreisel in Bewegung kommt,  dann beginnt die Rotation. Mit den Gesetzen der Physik bestimmt jeder die Geschwindigkeit selbst,  egal ob Schnelligkeit zum Frustabbau oder Langsamkeit zum Relaxen oder einfach das Ausleben von Lebensfreude.

Der Spun Kreisel besteht aus Polyethylen und wird im Rotationsgussverfahren von der italienischen Firma Magis hergestellt. Er ist  absolut wetterfest und kann den ganzen Sommer im Garten oder auf der Terrasse genutzt werden. Rotiert der Sessel im Haus, verhindern Gummipuffer an seinen Kanten, dass der gute Fußboden Schaden nimmt. Eine gelungene Erfindung die Spaß macht.

Eames Lounge Chair

Einer der bekanntesten Entwürfe von Charles und Ray Eames ist der Lounge Chair. Der Architekt und die Künstlerin erschufen ein Sitzmöbel, das den schweren englischen Clubsessel ersetzen sollte. Schon während des 2. Weltkrieges erprobten sie das Verbiegen von Schichtholz unter Dampf, zuerst für militärische Zwecke, dann für ihre Möbelentwürfe.

Nach jahrelanger Entwicklungszeit präsentierten die Eames 1956 den Lounge Chair und Ottoman, dessen Ursprung auf die Plywood Chairs aus den 40iger Jahren zurückgeht.. In Zusammenarbeit mit Herman Miller brachten sie diesen eleganten und überaus bequemen Sessel auf den Markt, mit dem Ziel, maximalen Sitzkomfort zu bieten. Mit dunklem Holzfurnier und schwarzen Ledersitzen sollte er einen Rückzugsraum von den Strapazen des modernen Lebens bieten.

Der erste Lounge Chair war ein Geschenk für den berühmten Regisseur Billy Wilder  der den Weg nach Hollywood freimachte. Filmklassiker, Dokumentarfilme und aktuelle Serien geben dem Sessel eine Plattform, z.B. das Büro von „Dr. House“, oder die Sitcom „Frasier“. Im MoMa in New York sowie im Art Institut of Chicago ist er permament zu Hause.

Herman Miller produziert das mittlerweile weltberühmte Möbelstück auch heute noch in den USA. Vitra produzierte von 1957 bis 1983 als Lizenznehmer vom Miller und besitzt seit 1984 die Rechte zur Herstellung und zum Vertrieb für Europa und dem Nahen Osten. Da die durchschnittliche Körpergröße in den letzten 50 Jahren um ca. 10 cm zugenommen hat,  wurde auch der Lounge Chair in seiner Größe in Zusammenarbeit mit dem Eames Office angepasst. Charles und Ray Eames haben Design immer als fortdauernden Prozess verstanden.

Der Thonet-Stuhl

Michael Thonet (1796-1871) entwickelte den Thonet-Stuhl durch Perfektionierung der Bugholztechnik, bei der Holz durch Einwirkung von Dampf- und Leimwasser biegsam gemacht wurde um die industrielle Möbelherstellung einzuleiten.

Der aus Andernach stammende Thonet machte sich 1819 als Bau- und Tischlermeister selbständig und seine Arbeiten wurden im Rhein-Mosel-Gebiet sehr geschätzt. Seine Leidenschaft galt dem Experimentieren mit Holz, schon um 1830 versuchte er aus verleimten gebogenen Holzleisten Möbel herzustellen, 1836 entstand erfolgreich der Bopparder Schichtholzstuhl.

Wirtschaftliche Gründe führten 1842 zu einem Umzug nach Wien, wo er mit und für seine Söhne die Firma Gebrüder Thonet gründete die 1850 den Thonet-Stuhl Nr. 1 auf den Markt brachte. Nachfolger war 1849 der Thonet-Stuhl Nr. 4, der als erster ein öffentliches Lokal komplett ausstattete, das Café Daum.

Der Kauf einer weiteren Fabrik 1856, inklusive Buchenwälder in Koritschan, Mähren, trieb die industrielle Produktion voran. Die Bugholztechnik ermöglichte nun eine kostengünstige Herstellung von Stühlen durch angelernte Hilfskräfte, Materialeinsparung (keine Holzabfälle) und Transportvorteile durch geringes Gewicht.

Der Klassiker ist der Thonet-Stuhl Nr. 14, der als Konsumstuhl der Thonets in die Geschichte eingegangen ist und bis 1930 schon 50millionenmal verkauft wurde. Er gilt weltweit als Wiener Kaffeehausstuhl, beliebt wegen seiner schönen Form seines Sitzkomforts und niedrigen Preises. In Einzelteilen als flaches Paket verpackt und verschickt kann er überall  montiert werden, da er verschraubt und nicht verleimt ist.

Der Thonet-Stuhl ist das Ergebnis von Michael Thonets Handwerkskunst, Minimalismus, Geschäftsinn und Weitblick.

Der Rot-Blaue Stuhl

Der niederländische Architekt und Designer Gerrit Thomas Rietveld (1888-1964)  experimentierte schon als Kind im elterlichen Betrieb mit Holz und wurde Schreinermeister, bildete sich in Abendkursen auf dem Gebiet der Architektur weiter und entwarf den Prototyp des Rot-Blauen-Stuhls schon 1917, jedoch ohne Lackierung. Er fertigte seinen Stuhl aus einem einzigen Brett, das sich zerlegen lässt in 13 Vierkanthölzer, 2 Latten und 2 Bretter. Das sollte die industrielle Produktion sowie den Möbeltransport erleichtern.

Rietveld schloss sich der Künstlergruppe De Stijl an, die berühmt war für ihre strenge Geometrie und die Verwendung der Primärfarben Gelb, Rot und Blau. Seine Arbeit zielte darauf hin, Bildende Kunst, Design und Architektur zusammenzuführen.

Nach mehrjäriger Entwicklung wurde der Rot-Blaue-Stuhl 1923 in seiner typischen Farbkomposition auf einer Ausstellung der Bauhausgruppe vorgestellt.

Mit seinem Design wollte Rietveld dem sog. Modernen Barock einen gereiften Stil entgegensetzen, Form- Raum-Probleme überwinden und den Innenraum wieder spürbar machen. Sein moderner Stil wurde außerordentlich beliebt,  so dass 1924 ein Wohnhaus mit kompletter Einrichtung für eine Anwaltswitwe von Rietveld entworfen wurde. Dieses Haus, das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO, eine Ikone der Baukunst.

Liebhaber des Rot-Blauen-Stuhls können diesen Design Klassiker heute noch erwerben. Wem das nötige Kleingeld fehlt, der kann in workshops oder nach Bauanleitung diesen Stuhl selbst anfertigen. Das Original bleibt natürlich unübertroffen gut.

Der Strandkorb

Bereits  im 17. Jahrhundert  standen Vorläufer in niederländischen Wohnungen sowie in englischen, schottischen und irischen Schlössern. Mit Leder bespannt sollten sie vor Zugluft schützen. Einen Strandkorb am Meer, der vor Sonne, Regen und Wind schützen sollte,  gab eine gut situierte Dame 1882 in Rostock bei dem  Korbmacher Wilhelm Bartelmann in Auftrag. Am Strand von Warnemünde erregte er das Aufsehen anderer Badegäste. Die verbesserte Infrastruktur belebte den Tourismus am Meer und wirkte sich positiv auf das Geschäft von Herrn Bartelmann aus, der nicht nur produzierte und verkaufte sondern die erste Strandkorbvermietung eröffnete. Seine Lehrlinge Franz Schaft und Johann Falck entwickelten die Strandkörbe weiter und leiteten die Produktion mit 120 Mitarbeitern.

Schon in den 20iger Jahren wurde der Strandkorb auch an Flüssen und Badeseen aufgestellt, heute steht er auch in Gärten im Binnenland.

Die Nordseestrandkörbe sind dem rauhen Klima durch rechtwinklige Seitenteile und gerade Haubenformen angepasst. Die Ostseestrandkörbe können sich leicht gerundete Haubenformen und geschwungene Seitenteile leisten. Gemeinsam haben beide Varianten das weiße oder naturfarbene Untergestell sowie den Stoff mit Breiten Streifen in blau-weiß oder grün-weiß.

Bei der Herstellung werden Kundenwünsche jeglicher Art berücksichtigt. Wie bei einem guten Auto ist auch beim Strandkorb der Preis nach oben offen. Der Klassiker besteht aus Naturgeflecht und edlen Hölzern und wird bei guter Pflege mit zunehmendem Alter immer schöner. Heute wird das Kunststoffgeflecht bevorzugt, weil es pflegeleichter ist.